Hamburg City Strike

Am 7. Juli 2017, wenn der G20-Gipfel in Hamburg beginnt, wird der Alltag in weiten Teilen der Stadt stillstehen, Tausende werden auf den Straßen sein und ihre Ablehnung der bestehenden Verhältnisse ausdrücken. Mit dem Hamburg City Strike möchten wir die Aktivitäten im Rahmen des Aktionstages aufeinander beziehen, eine kollektive Interpretation anbieten und so auch der möglichen Konkurrenz zwischen den verschiedenen Aktionsformen entgegenwirken. Hamburg City Strike ist als mögliche politische Klammer für den G20-Aktionstag am 7. Juli gedacht. Dabei spielen wir bewusst mit dem Streikbegriff, auch wenn wir wissen, dass keine klassischen Arbeitsniederlegungen in Betrieben geplant sind. Aber die verschiedenen Aktionen werden den kapitalistischen Normalzustand „bestreiken“ und lahmlegen. Wir wollen die gesamte Stadt zum Austragungsort der sozialen Kämpfe machen und zeigen, dass der Kapitalismus an verschiedenen Stellen angreifbar ist.

Wenn sich am 7. Juli 2017 die Regierungsoberhäupter der weltweit mächtigsten Staaten zum G20-Gipfel treffen, werden wir zum Hamburg City Strike draußen sein. Unsere Aktionen werden vielseitig sein, unser gemeinsames Ziel ist die symbolische Stilllegung des kapitalistischen Normalzustands. Denn dieses System ist der ständige Angriff auf unsere Lebensgrundlagen. Die G20 stehen wie kein anderes Treffen für diesen Normalzustand, sie repräsentieren 80 Prozent des globalen Handels und liefern die Politik, um den Kapitalismus trotz aller Krisen am Leben zu halten. Die beim G20-Gipfel anwesenden Charaktermasken sprechen für sich und verdeutlichen die autoritäre Zuspitzung in den Gesellschaften. Zur Erhaltung des Status Quo wird immer mehr Zwang und Gewalt eingesetzt und rechte Kräfte machen sich vielerorts breit. Doch auch die neoliberalen Sachverwalter*innen setzen die Logik des Kapitals rücksichtslos durch.

Tag für Tag erleben wir die Politik, die im Juli beim G20-Gipfel ihren öffentlichen Ausdruck findet. Unser Leben ist geprägt von einer zunehmenden Prekarisierung, die längst nicht mehr nur die Arbeitswelt umfasst. Das Sozialwesen wird Stück für Stück dezimiert, öffentlicher Raum wird zunehmend privatisiert und die Austeritätspolitik propagiert die Alternativlosigkeit zu diesen und anderen Maßnahmen. Um das Rad des Kapitalismus am Laufen zu halten und trotz zunehmender Krisen die Profiterwartungen zu erfüllen, werden vermehrt unsere sozialen Lebensverhältnisse zum Ziel der Ausbeutung. Die Politik in Griechenland ist ein Schaubild dieses verschärften Klassenkampfes. Wenn sich der Lohn nicht mehr weiter drücken lässt, wenn die Arbeit nicht mehr prekärer gestaltet werden kann und ein großer Teil der Bevölkerung arbeitslos ist, kann nur noch das öffentliche Eigentum und die Daseinsvorsorge zur Gewinnmaximierung genutzt werden. Wir reagieren auf diese Verschärfungen. So wie die Angriffe immer mehr Bereiche unseres Lebens treffen, so müssen wir alle diese Bereiche zum Austragungsort der Gegenwehr nutzen.

Am 7. Juli wollen wir nicht einfach nur auf der Straße sein, wir wollen diese Verhältnisse bestreiken, ihnen einen Schlag versetzen und den Normalvollzug durchbrechen. Längst hat die Streikbewegung die Grenze zwischen Arbeitswelt und Gesellschaft überwunden. Wir können an die Kämpfe gegen die Austeritätspolitik in Südeuropa, an den Widerstand gegen das loi travail in Frankreich, an die Proteste gegen die patriarchalen Gesetzesverschärfungen in vielen Ländern anknüpfen. Wir machen weiter und verbinden die Kämpfe, entwickeln unsere solidarische Praxis fort und beziehen uns auf die transnationalen Streiks von Migrant*innen und Frauen, die europaweite Vernetzung für Blockupy und die solidarischen Selbsthilfenetzwerke in Südeuropa. Das restriktive Streikrecht in Deutschland erschwert den Streik in der Arbeitswelt, aber es kann uns nicht daran hindern, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Wir bringen den Streik dorthin, wo er hingehört. Wir machen das gesamte gesellschaftliche Leben zum Ausgangspunkt unserer Aktionen.

Am 7. Juli werden wir überall in der Stadt sein, in großen Massen oder kleinen Gruppen, als riesige Blockade oder als dezentrale Aktion – wir werden die Stadt lahmlegen! Wir sind solidarisch mit allen, die an diesem Tag ihrem Protest Ausdruck verleihen. Die Angriffe auf uns sind vielseitig, unser Widerstand wird es auch sein. Mit Massenblockaden und weiteren Aktionen werden wir den Gipfelablauf sabotieren. Wir werden die Logistik im Hafen behindern und deutlich machen, dass wir in den kapitalistischen Warenfluss eingreifen können. In den Schulen werden wir den Unterricht verweigern und das herrschende Bildungssystem bestreiken. Beim Hamburg City Strike suchen wir uns Orte, die wie keine anderen für die heutigen Verhältnisse stehen. Egal ob es die Rote Zone um den Gipfel ist, der Hafen und seine Logistik, Orte der Kriegsplanung und Militarisierung, die Abschiebebehörden, Jobcenter, die Handelskammer, das Rathaus oder die Konsumtempel dieser Stadt – am 7. Juli werden wir dort sein und zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Wir werden die Stadt bunter machen, den Sicherheitsapparat zum Schwitzen bringen und uns den öffentlichen Raum aneignen. Manche Aktionen werden größer, andere kleiner, manche expliziter oder wütender als andere. Aber auch wenn wir uns in der konkreten Praxis unterscheiden, eint uns ein gemeinsames Ziel: Den G20-Gipfel in Hamburg zum Desaster machen – den Kapitalismus abschaffen! Wir laden alle Menschen und Spektren ein – werdet Hamburg City Strike!

www.hamburg-city-strike.org